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Meinung

 

- Zustandsberichte

- Stand.......

- Fragen

 

von Lehrkräften

 

2016

Schlechte Unterrichtsbedingungen in klappriger Zehlendorfer Oberschule, in der man den Eindruck hat, dass die Zeit vor sechzig Jahren stehengeblieben ist.

"Seit einigen Jahren unterrichte ich in den Räumlichkeiten einer Zehlendorfer Oberschule Klavier. Der Raum dort starrt vor Schmutz, und der Flügel, an dem ich unterrichte ebenfalls, sodass ich ihn selber kaum anfassen möchte. Seit ca. 2 Monaten ist er dermaßen verstimmt, sodass die Schüler sich darüber beschweren. Wenn es nur das wäre. Mit Gewichten, in Form von alten 1,5 Volt Batterien, die ich mit Klebeband vor dem Unterricht befestige, muss ich die Dämpfer einzelner Töne beschweren, um das Nachklingen der Töne im Bassbereich zu verhindern. Zusätzlich klemme ich einen Handbesen unter das Dämpferpedal, um diesen Effekt zu unterstützen. Nach und nach kann ich damit rechnen, dass die Schüler kündigen. Das als Aushängeschild der größten Musikschule von Berlin, ein zusätzliches Armutszeugnis."


 

 

 

 

 

 

 

 

 


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"Um Wohngeld beantragen zu können, benötige ich eine Verdienstbescheinigung der in diesem Jahr geflossenen Beträge. Ich bat die Verwaltung vor Wochen darum. Reagiert wurde bisher nicht."
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2015

"Die Musikschule hat mit mehreren Familien Verträge zum 1.11. abgeschlossen. An sich ja positiv, dumm ist nur, dass ich davon nicht informiert, und vor allem auch nicht beauftragt worden bin. Ich habe die Familien um Verständnis gebeten, dass ich ohne ordentliche Beauftragung nicht unterrichten werde. Daraufhin hat der eine Vater eine Mail an die Ms. geschrieben, woraufhin ich dann am nächsten Tag einen Einzelauftrag von d. Ms. gemailt bekam mit Bitte um umgehende Rücksendung. Der Honorarsatz war in diesem Einzelauftrag mit 0,00 (!) Euro angegeben. Ich habe nun meinerseits um umgehende Korrektur des HS gebeten - und natürlich mal wieder keine Rückmeldung erhalten."
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"Ich habe für Oktober einen Abrechnungsvordruck mit nur e i n e m Schülernamen erhalten, die anderen Schüler standen nicht darauf."
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"die angespannte Lage in der Musikschulverwaltung spitzt sich immer mehr zu: 3 Kolleginnen sind noch im Mutterschutz, vielleicht kommen nicht alle zurück. 1 Kollegin ist dauerkrank. Verträge könnten eigentlich gemacht werden, es gibt aber nur eine Person, die das für uns 320 Kollegen macht. Niemand ist mehr für die Veranstaltungen zuständig seit die Stelle von Herrn .... nicht verlängert wurde. Niemand ist für die Raumvergabe zuständig, der aktuelle Raumplan ist völlig veraltet. Und das ist nur ein Bruchteil der ganzen Misere. Aus meiner Sicht ist die Verwaltung zusammengebrochen. Sollte Frau .... erkranken, steht zu befürchten, dass wir unsere Honorare noch später bekommen."
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"An dieser Stelle möchte ich aufgrund von 10 Kündigungen (incl. einem Lehrerwechsel schon berücksichtigt) seit Februar und Ende August und Ausgleich durch lediglich einen Neuvertrag über 45 Minuten Unterrichtszeit meine Situation darstellen. Da ich viele Schüler mit 60 Minuten Unterrichtszeit unterrichte(te), summieren sich die fehlenden Minuten auf 480 minus 45 Minuten für den neuen Einzelauftrag. Damit beläuft sich meine Einbuße monatlich hochgerechnet auf ca. EUR 750.-. Von zwei weiteren Kündigungen zu wiederum Ende Februar 2016 habe ich gerade erfahren, weitere minus 105 Minuten. Wieviele noch folgen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Da ich einige Schüler schon länger als 10 Jahre unterrichte, kann ich mir vorstellen, dass noch weitere Kündigungen folgen werden. - Wie geht das weiter?"
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"Mein Honorar für August (zwar nur ein Nachmittag nach den Ferien, aber gerade wegen der Verdienstlosigkeit in den Ferien wichtig), ist trotz termingerechter Versendung des Leistungsnachweises in den ersten Septembertagen bis heute (1.Oktober) noch nicht auf meinem Konto eingegangen."
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"Mein Fachbereichsleiter sagt, dass es für unseren Fachbereich nur ein begrenztes Kontingent für Neuverträge gibt und dass andere Kollegen noch schlechter dran seien. Nach meiner Kenntnis liegen gezielt für mich eine Neuanmeldung (30 min.) und zwei Stundenverlängerungen (nochmal insgesamt 30 min.) "auf Eis". Die Lage ist leider schlecht, aber besonders ärgerlich sind die fehlenden Informationen von der Musikschulleitung und mangelnde Transparenz bei der Vertragsvermittlung."
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"Im Moment sind bei mir durch Kündigungen drei Plätze (gleich 10% des maximalen Arbeitsumfanges) unbesetzt und es besteht momentan keine Aussicht, dass sie in nächster Zeit wieder besetzt werden können." ________________

"Für diesen Irrsinn, der uns jetzt zusätzlich zu allen anderen Zumutungen noch in Form vollkommen unsinniger, schikanöser Formulare auf's Auge gedrückt wurde, gibt es für mich inzwischen nur noch eine Antwort: Generalstreik aller Musikschulen für einen Zeitraum, der wirklich weh tut. Natürlich tut uns das zunächst in erster Linie selber weh, aber erst dann wird sich etwas bewegen, weil dann auch die Öffentlichkeit wach und aktiv wird und wir so gemeinsam Druck auf die Entscheidungsträger ausüben können.

Das Klagen und Stöhnen praktizieren wir bereits seit Jahrzehnten, aber es läuft ja dennoch alles weiter. Das Musikschulschaf trabt nach wie vor auf die Weide und frisst das, was ihm noch an karger Mahlzeit gewährt wird. Es wird auf die Existensängste der Lehrer gebaut - und diese fiese Rechnung ging auch immer auf. Somit arbeiten alle weiter und die Bedingungen werden immer entwürdigender. Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Was kommt als nächstes? Ich möchte mich abends mit der Vorbereitung des Unterrichts befassen und nicht mit diesem Formularmist, der eh im Schredder landet, vorher aber noch die letzten Ressourcen der letzten Bürokraft lahm legt."
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"Im letzten Winter war ich einmal krankgeschrieben. Meine Schüler beschwerten sich bei mir, sie würden bis heute auf die Rückerstattung des Honorars für die ausgefallene(n) Stunden warten (... seit einem 3/4 Jahr!). Auf deren Anschreiben an die Musikschule deswegen, wurde bis heute nicht reagiert. Ich habe dann während der Sommerferien diese Stunden aus dem vergangenen Winter nachgeholt (was ich laut Krankschreibung eigentlich gar nicht müsste), um mit meinen Schülern gutes Einvernehmen zu wahren. (Ich weiss, dass die Verwaltung unterbesetzt ist und mache den dort Arbeitenden gar keinen Vorwurf. Aber ein solcher Umgang, wie sich der Bezirk durch die Schaffung der entsprechenden Umstände mit seinen eigenen Honorarkräften leistet, ist doch einfach nicht in Ordnung, oder?)"

 

Fragen an die Verwaltung

"heute bekam ich meinen Kontoauszug mit letztem Buchungstag am 2.11. und muss feststellen, dass mein Honorar für September noch immer nicht eingegangen ist."
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"Die Klärung von fehlenden Schülern auf den Abrechnungslisten für Oktober und November ist mir seit Wochen nicht möglich gewesen, da ich auf meine Anfragen per Mail nie eine Antwort erhielt, bzw. das Telefon ständig besetzt war. Als ich kürzlich doch eine Sachbearbeiterin erreichte, forderte sie mich auf, persönlich im Büro zu erscheinen, telefonisch sei Frau ... nicht zu sprechen. Für mich bedeutet dieser Umstand für den Hin-und Rückweg eine Stunde Zeit + einer halben Stunde im Büro. Wer bezahlt mir das? Inzwischen brauche ich für diesen Papierkram und Klärung von Fehlern fast mehr Zeit, als für die eigentliche Arbeit. Ob sich dieser Einsatz gelohnt hat und ich mein Honorar erhalte, bleibt abzuwarten. Selbst die Sachbearbeiterin konnte mir die aktuelle Liste mit 2 neuen Schülern, die ich bereits seit Oktober unterrichte nicht ausdrucken und musste eine Firma informieren, die das Honorar abrechnen soll.... Bei der Gelegenheit erfuhr ich dann noch, dass ich mich in Zukunft bei Anfragen an eine neue Kollegin wenden soll. Eine Stunde später erhielt ich eine Email einer dritten Bearbeiterin, die mich jetzt Anfang November um Rücksendung eines der Einzelaufträge bat, weshalb ich gerade das Büro aufgesucht hatte. Diesen hatte ich natürlich bereits Ende September an die Musikschule zurückgeschickt."
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"Wie Sie schon geschrieben haben, bestätigen wir ja den durchgeführten Unterricht ja schon in unseren Abrechnungen, sogar mit Datum – kein unerheblicher Aufwand. Nun noch eine Strichliste zu führen, welche dann offenbar die geistige Anwesenheit des Schülers bestätigt, hat schon Kafkaeske Züge.
Da werden Listen hin und hergeschickt – wer um alles in der Welt, soll diese lesen? Bald werden unsere Schüler keine Bäume mehr kennen, da alle für diverse Formulare der Musikschule abgeholzt wurden.

Man fragt sich immer, was könnte nun noch kommen. Die Damen in der Verwaltung, welche diesen Wahnsinn ausbaden müssen, tun mir wirklich leid. Überall wird doch sonst immer geschrieben, die Bürokratie soll verschlankt werden.

Ich hoffe es wird irgendwann wieder um Musik gehen in unserer Schule. Irgendwann muss M I S T ja mal laufen. Vielleicht bleibt dann ja auch etwas Geld für Schülerverträge übrig."

 

von den Schülern
(danke)

"Musik ist einer der wichtigsten Bereiche in meinem Leben, ich habe sie mit 9 Jahren für mich entdeckt und bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, ein Instrument zu lernen. Umso erschütternder finde ich es, dass diese Möglichkeit in Zukunft vielen Kindern genommen werden soll. Das Recht auf musikalische Früherziehung sollte nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen, da die doch für die Charakterbildung so wichtig ist und an den meisten Schulen leider nicht in dem Maße vermittelt wird, wie es wünschenswert ist. Die Musiklehrer der Musikschule Steglitz-Zehlendorf leisten nicht nur fachlich sondern auch pädagogisch ausgezeichnete Arbeit und verdienen es dafür entlohnt zu werden. Ich kann nicht glauben, dass es jemand für richtig erachtet ausgerechnet an dieser Stelle mit Geld zu sparen."

 

von den Eltern

"Nun versuchen wir seit längerer Zeit ohne Erfolg, die erforderlichen Schritte durchzuführen. Wir wendeten uns per E-Mail an die zuständige Sachbearbeiterin, deren Adresse wir dem Briefkopf der Musikschule entnommen haben. Leider kam diese E-Mail als unzustellbar zurück. Telefonisch ist im Hause der Musikschule seit Wochen niemand zu erreichen. Frau ....... teilte uns mit, dass sie persönlich in der Musikschule vorgesprochen habe, um die Bearbeitung unserer Sache zu erleichtern. Auch dies blieb bisher ohne Erfolg, ebenso wie eine von uns an die allgemeine E-Mail-Adresse der Musikschule gerichtete E-Mail. Wir befürchten nun, dass unsere Tochter, die ihre musikalische Ausbildung sehr motiviert begonnen hat, diese nicht weiterführen kann, und bitten Sie, die erforderlichen Schritte einzuleiten, um dies zu verhindern."
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"Unfassbar ist für uns, dass eine Ausweitung der Musikschulverträge/Neuaufnahme von Schülern momentan nicht möglich ist, den Musikschullehrern die Honorare wegbrechen und sich deren Einkommenssituation drastisch verschlechtert.  
Sicher, man muss „haushalten“, gerade in Berlin. Fraglich ist doch immer nur, worauf man die Prioritäten setzt. Unstrittig ist für uns, dass in der Vermittlung von Bildung immer ein Schwerpunkt liegen sollte. Alles schimpft auf die heutige Jugend. Doch wo lässt man den jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen, denn noch Raum für ihre persönliche Entwicklung? Schwimmbäder wurden in der Vergangenheit geschlossen, da zu marode. Turnhallen werden mit Flüchtlingen belegt und somit auch die Aktivitäten von Sportvereinen mehr und mehr eingeschränkt.  
Gerade hier sehen wir also eine wichtige Aufgabe der Musikschullehrer an den Musikschulen, die Talente insbesondere junger Menschen fördern und entwickeln, aber auch einen Grundstein der Allgemeinbildung legen sollen und dies auch hervorragend tun. Auch ein Paul-Lincke, Bach und Händel sind sicherlich nicht irgendwann aufgewacht und haben gedacht: „Ich könnte ja mal was schreiben“, sondern hatten ihre Vorbilder, Förderer, Ideale und Ideen, was man mit Instrumenten und  Musik so machen bzw. gestalten kann.

Musik bietet einen Ausgleich zu den Hürden des Alltags- für Kinder und Jugendliche einen unverzichtbaren Ausgleich zu den Anstrengungen der Schule! Musikschullehrer sind nicht nur Lernpartner der Schüler, sondern auch Vertraute! Jeder weiß, wie wichtig soziale Kontakte im Leben eines Menschen sind. Oder anders gesagt: „Warum laufen denn immer mehr „Irre“ rum?“ Na klar, es fehlen zunehmend verlässliche Kontaktpersonen im eigenen Umfeld und bezahlbare Projekte, eigenen Interessen im Freizeitbereich nachzugehen. Nicht jeder, der in der Musikschule keinen Platz für sein Kind findet, hat die finanziellen Möglichkeiten, einen deutlich teureren Privatlehrer zu bezahlen. Schon gar nicht, wenn mehrere Kinder im Haushalt leben. Musikschullehrer an den Musikschulen ermöglichen somit also auch Kindern, deren Eltern kein dickes Finanzpolster aufweisen, mit Spaß und Freude ein Instrument zu erlernen und sorgen somit für eine notwendige soziale Durchmischung gelebter Musikkultur in unser aller Gesellschaft.
Bisher dachten wir übrigens, dass dies zu vertretbaren Konditionen für alle Beteiligten erfolgt. Leider weit gefehlt. Erst kürzlich haben wir davon erfahren, dass Musikschullehrer in den Ferien gar nicht bezahlt werden! In diesem Zusammenhang bitte ich um Weiterleitung meiner Frage an den Zuständigen, was denn bitte sehr mit meinem Geld passiert, das ich ja auch in den schulfreien Zeiten entrichten muss? Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich die Ferienzeiten bezahle, damit auch die Musikschullehrer ein durchgängiges und geregeltes Einkommen haben. So wäre es in Ordnung und nach meiner Auffassung selbstverständlich. Auch ich bekomme meinen Urlaub ja bezahlt. Übrigens, die von mir befragten Eltern im Umkreis hatten davon ebenfalls keine Kenntnis und waren genauso überrascht!

Sehr bedauerlich finden wir, dass etliche Veranstaltungen und Konzerte nun nur eingeschränkt bzw. gar nicht mehr stattfinden. Wir haben solche besonderen Musiktage immer sehr genossen, bietet sich hier doch nicht nur die Möglichkeit des gemeinsamen Eltern-Kind-Erlebnisses, sondern auch des Elternaustausches untereinander. Auch stärken solche Veranstaltungen das Lehrer-Schüler-Verhältnis, was aus unserer Sicht positive Lerneffekte nur hervorheben und auch für die Zukunft sichern kann. Wir waren jedes Mal überrascht, was Kinder und Jugendliche musikalisch so alles leisten können. Unsere Bewunderung galt aber nicht nur den Schülern, sondern auch ihren Lehrmeistern: Stücke sind individuell auf die Schüler zugeschnitten bzw. ausgewählt. Ganz offensichtlich kennen die Musikschullehrer ihre Schüler so genau, dass sie wissen, mit welchen Stücken das Interesse geweckt und auch erhalten bleibt. Auch das ist eine Arbeit, die aus unserer Sicht fair zu honorieren ist!"

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